Recording mit dem iLive-T System
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie mit dem iLive-T System eine Veranstaltung
mitgeschnitten werden kann. Der folgende Abschnitt behandelt die verschiedenen
Aufnahmemöglichkeiten und zeigt welche Vor- und Nachteile die jeweiligen
Varianten bieten.
Mit modernen Digitalpulten der gehobenen Klasse lässt sich neben dem klassischen
Recording (Konzert wird für einen späteren Mixdown archiviert) auch
ein "virtuelle Soundcheck" realisieren. Der virtueller Soundcheck macht vor allem bei
wiederkehrenden und gleichartigen Veranstaltungen Sinn (z.B. einer Tournee).
Bei der ersten Veranstaltung wird der echte Soundcheck aufgenommen.
Bei den nächsten Veranstaltungen wird dann der Soundcheck ohne Musiker,
anhand der Aufnahme durchgeführt. Der virtuelle Soundcheck ersetzt nur bedingt
einen echten Soundcheck, kann diesen aber deutlich verkürzen.
Das Umschalten zwischen den "echten" Bühnen Signalen und den aufgenommenen Soundcheck
Signalen geht bei dem iLive-T System (in entsprechender Konfiguration) besonders
einfach mit nur einem Knopfdruck.
Recording Möglichkeiten (Stand Frühling 2011)
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es fünf Möglichkeiten, mit dem iLive-T System aufzunehmen:
- Möglichkeit 1: Recording über analoge Ausgänge
- Möglichkeit 2: Recording via ADAT
- Möglichkeit 3: Recording via Ethersound
- Möglichkeit 4: Recording via MADI
- Möglichkeit 5: Recording via Dante
Wichtiger Hinweis: Das Mixrack kann nur eine einzige Erweiterungskarte aufnehmen.
Daher muss bei der Auswahl der Erweiterungskarte für die Recording-Anwendung unbedingt
auf andere Nutzungsmöglichkeiten geachtet werden.
Wenn beispielsweise ein Aviom Personal Monitoring System direkt an das
Mixrack angeschlossen werden soll, ist es nötig, eine
Multi Out Karte (IDR Bus, Aviom, 3x ADAT) ans Mixrack zu stecken.
Damit fallen MADI, Ethersound und Dante als Recording-Optionen weg.
Recording über ACE?
Die Verbindung zwischen iLive-T Mixrack und der Bedienoberfläche geschieht
über ein normales CAT5 Netzwerkkabel. Da liegt die Überlegung nahe,
einfach ein Computer über Netzwerk zum Aufnehmen an das System anzuschließen.
Das funktioniert definitiv nicht.
ACE ist eine Punkt-zu-Punkt Verbindung. Bei dieser Art von Verbindung
werden genau zwei Geräte miteinander verbunden. Ein weiteres Gerät kann nicht eingefügt werden.
Das Mixrack lässt sich durch eine Erweiterungskarte zwar um eitere ACE Schnittstellen
erweitern, jedoch gibt es (Stand Frühling 2011) keine Recording-Interfaces für ACE.
Daher ist diese Verbindung für das Recording ungeeignet.
Möglichkeit 1: Recording über analoge Ausgänge
Die einfachste Möglichkeit des Recording besteht darin, die analogen Ausgänge
des iLive-T abzugreifen. Das iLive-T besitzt 10 analoge Ausgänge an der
Oberfläche und 24 analoge Ausgänge am Mixrack. Durch die umfangreichen
Routing-Möglichkeiten des iLive können diese Ausgänge beliebig mit Gruppen,
Direct-Outs, Aux-Wegen, usw. beschickt werden.
Die Aufnahmekapazität ist speziell bei größeren Setups jedoch deutlich eingeschränkt.
Beispielsetup:
- 2x Main Out (LR)
- 2x Stereo Matrix
- 8x Mono Aux
- 4x Stereo Aux
Damit sind die meisten Ausgänge beim Mixrack schon belegt. An der Oberfläche hängt dann beispielsweise noch ein Gerät als Channelstrip. Somit bleiben 2 Ausgänge an dem Mixrack (iDR48) und 9 Ausgänge an der Oberfläche übrig. Für eine Mehrspuraufnahme ist das allerdings wenig.
Vor- und Nachteile
- Günstige Lösung (Keine Erweiterungskarten nötig)
- Anzahl der Spuren ist begrenzt (Das iLive-T besitzt 32 Mix-Busse und 34 physikalische Ausgänge)
- Kein virtueller Soundcheck möglich
- Zusätzliche "analoge" Verkabelung nötig
Fazit*:
Wenn die eingeschränkte Kanalzahl kein Problem darstellt und ein virtueller
Soundcheck nicht benötigt wird, kann diese Lösung durchaus sinnvoll sein.
Recording via ADAT
Das iLive-T System kann mit der Multi Out Erweiterungskarte um 3 ADAT Ausgänge erweitert werden.
Diese Erweiterungskarte besitzt neben den 3 ADAT Ports auch Allen & Heath iDR Ports und einen
Anschluss für ein AVIOM Personal Monitoring System.
Da das Mixrack jedoch nur ein Erweiterungsslot besitzt, kann das iLive-T System mit dieser
Lösung nicht mehr digital (via ACE, MADI, Ethersound oder Dante) mit einem weiteren iLive System
verbunden werden. (Analoge Splitter funktionieren natürlich immer noch...)
An den 3 ADAT Ports können über Toslink Stecker ein oder mehrere ADAT Recording Interfaces
angeschlossen werden. Die ADAT Verbindung ist für wenige Meter konzipiert.
Für größere Strecken bietet sich ein Umsetzer von ADAT auf CAT5 an, wie er z.B.
von der Firma HEAR Technologies hergestellt wird.
Praktisch: Über ADAT kann auch direkt ein standalone Multitrack Recorder
wie zum Beispiel der günstige Alesis HD24 angeschlossen werden.
Beispielsetup
Für ein Recording-Setup sind beispielsweise folgende Komponenten nötig:
- iLive-T Mini-Multi-Out Karte: 769 EUR (UVP, netto)
- RME DigiFace 516 EUR (UVP, netto)
- RME HDSPE EXPRESSCARD 309 EUR (UVP, netto)
- 3x Toslink Kabel (10 EUR)
Gesamtpreis: 1624 EUR
Vor- und Nachteile
- Günstig
- Sehr große Auswahl an ADAT Recording-Interfaces
- Günstige standalone Multitrack Recorder verfügbar
- Aufnahmegerät sollte in der Nähe des Mixracks stehen
- Keine Möglichkeit zum virtuellen Soundcheck (Die iLive-T Erweiterungskarte hat nur ADAT Ausgänge)
- Maximal 24 Aufnahme-Spuren
- mehrere iLive Systeme können nicht mehr digital gekoppelt werden
Fazit*
Wenn bereits vorhandene ADAT Aufnahmegeräte existieren, das Kanallimit von 24 Kanälen kein
Problem darstellt und kein virtueller Soundcheck benötigt wird, kann diese Lösung sinnvoll sein.
Ebenfalls interessant ist die Lösung wenn Wert auf ein möglichst einfaches Recording gelegt wird und
ein standalone Multitrack Recorder eingesetzt werden soll.
Wer sich ein komplett neues Recording-System anschafft und ein System mit Laptop/Desktop + DAW Software bevorzugt, sollte einen Blick auf MADI werfen.
Recording via Ethersound
Bei Ethersound werden die Audiokanäle über ein gewöhnliches CAT5 Kabel übertragen.
Bei 24-Bit/48 kHz können 64 Kanäle über die CAT5 Leitung übertragen werden.
Leider ist die Auswahl an Recording Interfaces sehr eingeschränkt. Nur die Firma Digigram bietet
entsprechende PCI Soundkarten an (Stand 09/2010), mit denen Ethersound aufgenommen werden kann.
Ethersound-Interfaces für Laptops (bzw. Systeme ohne PCI Schnittstelle) gibt es im Moment nicht auf dem Markt.
Leider sind die Ethersound-Produkte, bedingt durch hohe Lizenzkosten, im Vergleich zu anderen Lösungen recht kostspielig.
Beispielsystem
Für ein Recording-Setup sind beispielsweise folgende Komponenten nötig:
- iLive-T Ethersound Karte: 2.243 EUR (UVP, netto)
- PCI Karte Digigram LX6464ES: 2.368 EUR (UVP, netto)
- 70m CAT5 Netzwerkabel: 519 EUR (SommerCable UVP, netto)
Gesamtpreis: 5130 EUR
Vor- und Nachteile
- 64 Kanäle
- Mehrere iLive Systeme können gekoppelt werden
- 100m Kabellänge zwischen Mixrack und Recording-System
- virtueller Soundcheck möglich
- Komponenten sind durch Ethersound Lizenzen relativ teuer
- Sehr eingeschränkte Auswahl an Recording Interfaces (Keine Interfaces für Laptops)
Fazit*
Wenn auf einen Laptop als Recording-Computer verzichtet werden kann und bereits vorhandene Ethersound
Geräte existieren (Mischpulte, Stageboxen, oder Recording-Interfaces)
kann diese Lösung durchaus Sinn machen.
Wer sich ein komplett neues System anschafft und keine Ethersound-Geräte einbinden möchte
sollte einen Blick auf MADI werfen.
Recording via MADI
MADI ist eine digitale Audioübertragung über 75Ohm Koaxialkabel.
Kabellängen von 50-150m sind mit entsprechend hochwertigen Koaxialkabeln kein Problem.
Über ein Koaxialkabel können 64 Kanäle übertragen werden.
Die Einsteckkarte für das iLive-T System besitzt jeweils zwei MADI Ein- und Ausgänge,
sowie zusätzlich ein MADI Aux Weg dessen Funktion softwaremäßig entsprechend konfiguriert werden kann.
Wie auf der Prolight & Sound 2011 bekannt wurde, integriert der britische Hersteller JoeCo eine MADI Schnittstelle in seine standalone Multitrack Recorder (Blackbox Recorder).
Damit wäre die Basis geschaffen für ein standalone MADI Recording Setup ohne Computer.
Wann und zu welchen Preis, das Gerät auf den deutschen Markt kommt, ist im Moment noch nicht bekannt.
Quelle: Offizielle Homepage von JoeCo
Beispielsystem
Für ein Recording-Setup sind beispielsweise folgende Komponenten nötig:
- iLive-T MADI Karte: 1.029 EUR (UVP, netto)
- MADI Recording Interface z.B. RME HDSPe MADIface : UVP: 1.190 EUR (UVP, netto)
- 2x Koaxkabel 70m : 2x 378 EUR (SommerCable UVP, netto)
Gesamtpreis: 2975 EUR
Vor- und Nachteile
- 64 Kanäle
- Mehrere iLive Systeme können gekoppelt werden
- 100m Kabellänge zwischen Mixrack und Recording-System
- Günstiges Preisleitungsverhältins
- Große Auswahl an Recording Interfaces (auch für Laptops)
- virtueller Soundcheck möglich
Fazit*
Madi ist eine Recording Variante mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Für ein relativ überschaubares Budget
bekommt man ein hochwertiges Aufnahme-System mit 64 Kanälen, eine große Auswahl an Recording-Interfaces sowie die Möglichkeit virtuelle
Soundchecks durchführen zu können.
Wer neu investiert, sollte sich davor die seit Frühling 2011 auf dem Markt erhältliche Dante Lösung anschauen.
Infos zur MADI Verbindung 
Recordding via Dante
Seit Sommer 2011 wird für das iLive System auch eine Dante Erweiterungskarte angeboten. Der große Vorteil bei der Dante-Lösung besteht darin,
dass kein Hardware Recording Interface benötigt wird. Mit den entsprechenden Dante Softwaretreibern lassen sich über jede gewöhnliche Netzwerkkarte 64 Kanäle aufnehmen und wiedergeben.
Ein weiterer riesiger Vorteil von Dante ist, das die Kommunikation auf Ethernet basiert. Redundante Verbindungen, Verbindungen via Glasfaser oder das
Koppeln mehrerer iLive Systeme ist mit Standard-Netzwerkkomponenten für wenig Geld möglich.
Wie auf der NAMM 2011 bekannt wurde, integriert der britische Hersteller JoeCo eine Dante Schnittstelle in seine standalone Multitrack Recorder (Blackbox Recorder).
Damit wäre die Basis geschaffen für ein standalone Dante Recording Setup ohne Computer.
Wann und zu welchen Preis, das Gerät auf den deutschen Markt kommt, ist im Moment noch nicht bekannt.
Quelle: Offizielle Homepage von JoeCo
Beispielsystem
Für ein Recording-Setup sind beispielsweise folgende Komponenten nötig:
- iLive-T Dante Karte: 1229 EUR (UVP, netto)
- 70m CAT5 Netzwerkabel: 519 EUR (SommerCable UVP, netto)
Gesamtpreis: 1748 EUR
Vor- und Nachteile
- 64 Kanäle
- Mehrere iLive Systeme können gekoppelt werden
- 100m Kabellänge zwischen Mixrack und Recording-System
- Sehr günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis
- Hardware Recording Interface wird nicht benötigt
- Standalone Multitrack Recorder in absehbarer Zeit verfügbar
- virtueller Soundcheck möglich
Fazit*
Hochinteressante, flexible und zukunftssichere Recording Variante. Die Tatsache, dass Dante kein zusätzliches Recording Interface benötigt bringt entscheidende Vorteile mit sich. So muss man sich beim Kauf nicht auf eine Arbeitsumgebung festlegen (Laptop/Desktop/PCI, PCI Express, ExpressCard).
Infos zur Dante Verbindung 
Infos zu Dante Netzwerken 
Persönliches Fazit*
Sind keine Recording-Interfaces vorhanden, ist Dante ganz klar die flexibelste Lösung mit dem besten
Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wenn ein hoher Wert auf Kompatibilität mit Pulten anderer Hersteller
gelegt wird, hat MADI im Moment (Sommer 2011) noch die Nase vorne, da es im Moment nur für
Yamaha und Allen & Heath Pulte Dante Erweiterungskarten gibt.
Das wird sich aber vermutlich bald ändern, da inzwischen einige
Hersteller (u.A. DiCiCo) an einer Dante Lösung arbeiten.
Die Investition in Ethersound macht nur dann Sinn, wenn noch weitere Ethersound Geräte in das Netzwerk
eingebunden werden sollen.
Wenn nur wenig Kanäle aufgenommen werden sollen und kein virtueller Soundcheck gemacht werden muss
kann auch durchaus die "Old Style" Variante über ADAT oder analoge Ausgänge Sinn machen.
Wenn ein (bezahlbares) standalone Multitrack Recorder System realisiert werden soll, geht das im Moment nur mit der ADAT Lösung.
In absehbarer Zeit wird jedoch auch ein System für Dante auf den Markt kommen (Details siehe Abschnitt Dante).